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Ein Sturm war für die Niederlande vorhergesagt worden, aber mein Zug um 7:16 Uhr hatte keine Verspätung.

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Während der Zugfahrt kamen Probleme auf, und ich kam zu spät zu meiner Vorlesung um 10 Uhr an der Universität Amsterdam. Ungefähr eine Stunde später kam der Sturm. Videos tauchten auf, in denen Menschen und Fahrräder buchstäblich vom Wind weggepustet und ganze Dächer weggerissen wurden. Sämtliche Züge wurden abgesagt.

Das war ernst.

Ich realisierte, dass kein Zug mich in nächster Zeit nach Hause bringen würde. Zu viele Bäume waren auf die Gleise gefallen und das Bahnsystem musste repariert werden.

Als der Tag fast zu Ende war, hatte ich alle Hoffnung aufgegeben. Mein Zuhause war zwei Stunden entfernt. Ein Zug, der mich den ganzen Weg nach Groningen bringen würde? Keine Chance. Meine Freundin bot mir ihre Couch in einer nahegelegenen Stadt an und ich nahm das Angebot an. Wir gingen zum Bahnhof und fanden zu unserer Überraschung, dass der benötigte Zug nicht abgesagt worden war. Wir stiegen freudig mit einem großen Becher Rooibos Tee in unseren Händen ein.

Als wir ankamen, hatte ich wieder die Hoffnung nach Hause zu kommen. Ich dankte meiner Freundin für ihre Freundlichkeit, aber ich würde nicht aufgeben. In der Zwischenzeit hatten die Passagiere aufgehört auf ihre Handys zu starren. Verzweifelte Reisende wurden sozialer als je zuvor und ein “Wir-sitzen-alle-im-gleichen-Boot” Gefühl entstand schnell. Es gelang mir, einen Zug zu einem anderen Ziel zu nehmen, dieses Mal nur 100km von zuhause entfernt.

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Ein ganzes Team des Zugpersonals stand dort bereit, um Auskunft zu geben. Ein Mann vor mir fragte sie auf Englisch nach Wegbeschreibungen. “Bitte frage die Busfahrer draußen” war die Antwort. Während ich zu dem Ersatzbus ging, sah ich den gleichen Mann mit einem traurigen, müden Ausdruck auf seinem Gesicht zum Bahnhof zurückkehren. Als ich meinen Bus erreichte, entdeckte ich, dass der Bus neben mir der Bus war, den er brauchte. Ich zögerte für eine Sekunde, aber dann entschied ich mich, zurück zum Bahnhof zu laufen, um dem Mann zu sagen, dass er nach Hause gehen könne. Zusammen rannten wir schnell zurück und er hörte nicht auf, mir dafür zu danken, dass ich es ihm erzählt hatte.

Ich konnte kaum glauben, wie die Dinge abliefen.

>Ich war überzeugt, dass Gott mich inspiriert hatte, den Mann zu warnen, dass er beinahe seine womöglich letzte Chance nach Hause zu kommen, verpasst hätte. Gleichzeitig half Gott mir auch, rechtzeitig in meinen Bus zu gelangen.

Der Busfahrer fuhr nicht seine gewöhnliche Route und war unsicher, wohin er fahren solle. Die Fahrgäste halfen ihm, den Weg zu finden.

Obwohl ich volles Vertrauen darauf hatte, dass Gott mich nach Groningen bringen würde, begann ich zu zweifeln, als wir am letzten Bahnhof ankamen. Dort waren keine Züge und keine Busse mehr. Immerhin war es bereits 23 Uhr, wer würde denn noch da draußen sein? Ich entschied mich, meinen Vater anzurufen, damit er mich abholen käme.

Plötzlich hörte ich Zugpersonal ausrufen “Groningen Bahnsteig 14, Beeilung!” Ein spezieller, zusätzlicher Zug nach Groningen war vorbereitet worden! Ich rief meinen Vater an und dankte Gott dafür, dass er so treu war. Obwohl Er mich bereits überzeugt hatte, dass Er für alles sorgen würde, begann ich zu zweifeln und plante meinen Weg selber. Aber wieder einmal mehr zeigte Gott seine Treue. Alles was ich machen musste, war zu vertrauen.

Dieses Leben ist eine Reise. Der Himmel ist unser Ziel. Stürme und Schwierigkeiten mögen entstehen und versuchen, uns die Hoffnung auf eine geschützte und sichere Ankunft zu nehmen. Zeichen um uns herum mögen uns sagen, dass unser Zuhause immer noch weit entfernt ist und wir es nie erreichen werden. Wir mögen die Hoffnung verlieren und entmutigt werden.

>Aber inmitten unserer Hoffnungslosigkeit und Zweifel verlässt Gott uns nicht und gibt uns nicht auf (5. Mose 31,6). Er mag uns auf einer anderen Straße führen als wir für uns geplant hatten, eine Straße, die weniger gemütlich und schwerer ist. Trotz alledem hat er versprochen, mit uns zu gehen.

Der Sturm hat mich vier wichtige Lektionen gelehrt:

1. **Gib dich nicht mit weniger zufrieden.** Halte deine Augen auf dein Ziel gerichtet. Wie gut es sich auch anfühlen mag, den Kampf zu unterbrechen und sich auszuruhen - sei nicht mit dem Mittelweg zufrieden gestellt! Wir sind berufen, den ganzen Weg zu gehen. Obwohl ein Mittelding eine gute und bequeme Position sein mag, erinnere dich daran, dass es keinen Ort hier auf Erden gibt, den du deine Heimat nennen kannst.

2. **Richte deine Augen auf und vertraue.** Gott ist dein Führer. Er kennt den Weg! Er ist ihn Selbst gegangen und hat ihn für uns vorbereitet. Du magst versucht werden zu denken, dass der Himmel nichts für dich ist, aber habe Glauben in den Einen, der dir eine sichere Ankunft versprochen hat. Du musst das Steuer nicht selber in die Hand nehmen. Gott führt uns geduldig Schritt für Schritt und ruft uns auf, dem Licht, welches Er direkt vor uns ausgeschüttet hat, zu folgen. An jeder neuen Station an der wir ankommen, wartet Er bereits, um uns zu zeigen, wo wir als nächstes hingehen sollen. Und ja, manchmal mag Er sagen “warte”. Aber bis dahin, bleibe nah bei Ihm. Du willst am Ende nicht im falschen Zug landen.

3. ** Wir sitzen alle im gleichen Boot** Gott hat nie für uns beabsichtigt, den Weg alleine zu gehen. Wir sind hier, um uns gegenseitig zu unterstützen. Um uns gegenseitig zu warnen uns nicht aufhalten zu lassen, sondern unseren Bus heimwärts zu erwischen. Lasst uns mit den Menschen um uns herum sprechen und versuchen, ihren Weg zu erhellen. Wir sind nicht dafür gedacht, 24/7 vor unseren Bildschirmen zu sitzen, egal, wie verlockend oder manchmal auch notwendig es erscheinen mag. Unsere Freunde, Fremde, und sogar unsere Leiter brauchen unsere Unterstützung. Sie sind nicht perfekt und brauchen unsere Gebete und unseren Beistand. Nur so werden wir unser himmlisches Zuhause sicher einmal zusammen erreichen können.

4. **Zähle deine Segnungen.** Dinge im Leben verlaufen nicht so, wie du sie geplant hattest, aber das ist keine Entschuldigung dafür, Gottes gegenwärtige Segnungen zu missachten. Auch wenn es draussen kalt sein mag, sei dankbar für deinen kostenlosen Becher Rooibos Tee. Es gibt Momente der Freude, wenn man gemeinsam durch das Leben reist, Momente der Freude beim gegenseitigen Geben und Helfen. Die Straße mag hart sein, aber wunderschöne Momente warten unterwegs auf uns. Lasst uns diese Segnungen nicht übersehen, sondern schätzen und dankbar dafür sein.

Um ein Uhr nachts kam ich zuhause an; erschöpft, aber überglücklich! Die Freude, nach einer langen Reise zu Hause anzukommen ist nur ein Schatten dessen, was wir fühlen werden, wenn wir einmal unsere himmlische Heimat erreichen werden.

>Lasst uns die Hand ergreifen, die Er uns hinstreckt. Er weiß, wohin er uns führen soll. Er sieht das Ende von Anfang an und Seine Wege sind höher als unsere (Jesaja 46,10; 55,9).

Lasst uns Ihm vertrauen und nah bei Ihm bleiben, unsere Augen auf Ihn allein richten, und uns zusammen dem wunderschönen Ziel entgegen bewegen, welches Er uns versprochen hat.