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Warum etwas vorgeben?

10th July 2016

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Dieses Jahr hielt GYC Europe zum ersten Mal eine FOCUS Veranstaltung ab. FOCUS ist ein lokaler Kongress und die Idee dahinter ist es drei Blöcke an jedem Ort zu haben. Der erste Block heißt „Zu Jesus kommen“ und hat fünf Workshops. In dieser Artikel Serie, teilen verschiedene Präsentatoren einen Teil ihres Workshops mit uns in Form eines Artikels.—Verfasser.

„Also, was wirst du jetzt tun?“ diese Frage hörte ich in meinem Kopf.

Etwas früher an diesem Morgen bin ich einen Schritt zu weit gegangen. Alle meine Freunde hatten dieses spannende neue Spielzeug, aber ich nicht. Ich hatte zu viel Angst davor meine Eltern zu fragen. „Sie würden es nicht kaufen“ dachte ich, „also wie kann ich dieses Spielzeug bekommen?“ Mein Freund sagte mir, dass wenn ich ihm das Geld gebe seine Mutter es für mich kaufen würde. Das klang nach einem guten Plan. Das Problem war nur, ich hatte das Geld nicht. „Wie komme ich denn nun an das Geld?“, fragte ich mich. Eine Antwort formte sich schnell. „Papa bewahrt sein Geld immer am bunten Fenster auf.“ Ich wusste was dieser Gedanke implizierte. „Aber Adam, du kannst nicht stehlen“, sagte ein anderer Gedanke. „Ja, aber ich will das Spielzeug, wie soll ich es sonst bekommen?“, antwortete ich. Es war beschlossene Sache. Als ich zu Schule ging, nahm ich dreißig Pfund aus der Spardose meines Vaters, stopfte es in meine Tasche und ging zu Schule. Ich gab meinem Freund „mein“ Geld und es war getan.

Der Abend kam und da war ich nun, zehn Jahre alt, vor meinen Treppen stehen mit einem besorgten Gesicht. Und wieder kam diese Frage: „Also, was wirst du jetzt tun?“

Was denkst du hätte ich tun sollen?

Okay, lass mich dir eine andere Frage stellen.

Was hättest du getan?

Wäre deine Antwort anders? Ich weiß, dass meine es waren. Ich wusste, dass ich gehen und mich bei meinem Papa entschuldigen musste. Es wäre das Beste was man tun könnte, aber… ich konnte es nicht.

Warst du schon mal in einer ähnlichen Situation? Hast du versucht etwas zu verstecken von dem du wusstest, dass du es nicht hättest tun sollen? Vielleicht haben das alle von uns schon mal erlebt. Wie auch immer, hast du dir schon mal überlegt warum wir versuchen es zu verstecken? Warum wir so tun als wäre niemals etwas passiert? Ich habe daran gedacht wie wütend mein Papa sein würde. Ich hatte Angst vor dem Gefühl abgelehnt zu werden. Ich dachte, dass ich nicht mehr geliebt werde. Mit anderen Worten lag mein Versuch einer Vertuschung folgender Gedanke zugrunde: „Wenn ich so tue als ob, werde ich mehr angenommen, als wenn ich echt und aufrichtig mit meinen Fehlern bin.“

Ich glaube allgemein, dass wir deswegen nur so tun. Zum Beispiel dachte ich, dass wenn ich nur so tue als hätte ich eine Freundin, man mich mehr unter meinen Kollegen annehmen würde, als wenn ich zugegeben hätte, dass ich eigentlich keine habe. Ich hoffe du verstehst mich. Oft ist der Akt etwas Vorzugeben unser Versuch unsere Identität zu modifizieren und ein Gefühl der Annahme sicherzustellen, von dem wir denken, dass wir es nicht bekommen würden wenn wir ehrlich und aufrichtig sind.

Erlaube mir eine andere Geschichte zu teilen.

Ich denke daran zurück als ich intensiv mit Pornographie gerungen habe. Lange Rede, kurzer Sinn, ich war abhängig. Die Krux an der Geschichte ist, ich wusste, dass ich es nicht tun sollte. Trotzdem konnte ich nicht aufhören und das war sehr frustrierend. Es kam eine Zeit als ich in Abscheu vor mir selbst, etwas zu Gott sagte, wie:

„Ich verspreche, dass ich das nie wieder schauen werde.“

Nun die Zeit verging und es stellte sich heraus, dass meine Versprechen nicht kräftig genug waren. Bald sah ich, was ich nicht sehen sollte… schon wieder. Um gegen diese Ketten des Bösen anzukämpfen, was habe ich da wohl gemacht? Ich hab ein weiteres Versprechen gegeben.

„Herr, ich verspreche, dass ich das nie wieder schauen werde.“

Meine Worte haben keinen Unterschied gemacht. Immer und immer wieder, habe ich versprochen und bin gescheitert. Versprochen und gescheitert. Versprochen und gescheitert. Ellen White gibt einen sehr treffenden Kommentar zu dieser Erfahrung:

“Du hast den Wunsch dich ihm hinzugeben, aber du bist schwach was moralische Kraft angeht. Du bist gefangen darin zu zweifeln und deine Gewohnheit des Lebens in Sünde kontrollieren dich. Deine Versprechen und Vorsätzen sind wie Seile aus Sand. Du kannst deine Gedanken nicht kontrollieren, deine Impulse, deine Zuneigung. Das Wissen um deine gebrochenen Versprechen und nutzlosen Gelöbnissen schwächt deine Zuversicht in deine eigene Aufrichtigkeit und führt dich zu dem Gefühl, dass Gott dich nicht annehmen kann.“—Ellen White, Steps to Christ, 47 [eigene Hervorhebung, eigene Übersetzung].

Genauso habe ich mich gefühlt. Wie kann mich Gott jetzt annehmen? Ich habe es so oft versprochen und doch nicht gehalten; Gott kann mich nicht annehmen. Gott kann mich nicht lieben. Kannst du mit meiner Erfahrung mitfühlen?

Es gibt einen anderen Gedanken der mit dem Gefühl, dass Gott uns aufgrund unserer Sünden nicht annehmen kann, mitschwingt. Ich glaube man sieht es in den Worten des Sohnes, den wir den „verlorenen Sohn“ nennen. Vielleicht kennst du die Geschichte. Der Sohn bittet seinen Vater darum sein Erbe mit ihm zu teilen, verlässt ihn und richtet sein Leben zugrunde. Während er darüber nachdenkt und Lust auf das Futter von Schweinen bekommt, kommt er zu Verstand und sagt:

„Wie viele Tagelöhner hat mein Vater, die Brot in Fülle haben, und ich verderbe hier im Hunger! Ich will mich aufmachen und zu meinem Vater gehen und zu ihm sagen: Vater, ich habe gesündigt gegen den Himmel und vor dir. Ich bin hinfort nicht mehr wert, dass ich dein Sohn heiße; mache mich zu einem deiner Tagelöhner!“ Luk 15,17-19.

Da ist dieser Sohn, er sitzt zwischen den Feldern, vielleicht hat der dreckige Kleidung, ungekämmtes Haar, dreckige Fingernägel, ist obdachlos, hungrig, unwürdig und das alles, weil er eine dumme Entscheidung getroffen hat. Er setzt sich den Vorsatz seinem Vater zu sagen: „(M)ache mich zu einem deiner Tagelöhner!“ Er dachte er könne dafür arbeiten, um in dem Haus seiner Vaters zu sein. Er dachte, dass seine zukünftigen Handlungen irgendwie seine düstere Situation heilen könnten, ihn leichter annehmbar machen würden zurück in seines Vaters Haus. Siehst du worauf ich hinaus will? Er dachte er könne es sich einen gewissen Vorzug durch seine Taten verdienen, eine Art der Annahme, die er nicht haben könnte, wenn er einfach als sehr missratener Sohn käme. So wie ich versuchte habe so zu tun als hätte ich nicht von meinem Vater gestohlen, weil ich die Ablehnung meines Vaters fürchtete, wollte dieser Sohn eine andere Identität annehmen, aus der Sorge heraus er würde abgelehnt werden, unwürdig von seinem Vater Sohn genannt zu werden.

Machen wir nicht genau dasselbe?

Erinnern wir uns an die Versprechen, die wir gegeben haben? „Ich verspreche, dass ich nie wieder…“ Warum versprechen wir das? Weil wir es nie wieder machen wollen? Wahrscheinlich ja. Aber tiefergehend glaube ich, geben wir diese Versprechen, weil wir das Gefühl haben Gott würde uns nicht annehmen, wenn wir ihm nicht zeigen, dass wir nicht so dreckig, nicht so sündig, nicht so unwürdig sind. Deswegen fühlen wir uns oft zuversichtlicher, wenn wir zu Gott kommen, nachdem wir etwas „gutes“ getan haben, obwohl unser Herz eigentlich nur voller Sünde ist. Wir denken, dass wir durch das „nur so tun als ob“, versuchen jemand zu sein, der wir eigentlich nicht sind, dass wir versuchen gut dazustehen, obwohl wir eigentlich Böse sind. Gott würde uns eher annehmen, als wenn wir so kämen wie wir wirklich sind.

Hierin irren wir uns gewaltig.

Die Bibel beschreibt Jesu Tod für uns als einen Einkauf, eine Art der finanziellen Transaktion, wie wenn man etwas kauft. Vgl. 1.Pet 1,18-19. Jetzt stell dir vor du kaufst ein Nokia 3210. Du kannst dich vielleicht nicht mehr daran erinnern, aber um der Illustration willen sagen wir mal, das Handy hat keine Kamera. Nachdem du es gekauft hast, obwohl du wusstest, dass es keine Kamera hat, wärst du dann überrascht, dass es keine Kamera hat? Natürlich nicht! Warum nicht? Du wusstest was du kaufen würdest. Mit diesem Hintergrund, schau dir an was Jesus durch seinen Tod „gekauft“ hat!

„Gott aber erweist seine Liebe zu uns darin, dass Christus für uns gestorben ist, als wir noch Sünder waren.“ Rö 5,8.

Christus hat dich erkauft als du noch ein Sünder warst! Wird er dann überrascht sein, wenn das einzige was du ihm bringen kannst Sünde ist? Nein! Jesus weiß was er erkauft hat. Ellen White macht es deutlich:

„Jesus liebt es wenn wir einfach zu ihm kommen wie wir sind, sündig, hilflos, abhängig. Wir können mit all unseren Schwächen kommen, unserer Verrücktheit, unserer Sündhaftigkeit und uns einfach mit Reue vor seinen Füßen fallen lassen. Es ist seine Herrlichkeit, die uns in den Armen der Liebe umschließt, unsere Wunden verbindet und uns von aller Unreinheit reinigt.“—Ellen White, Steps to Christ, 52 [eigene Übersetzung].

Nimm dir ein wenig Zeit um darüber nachzudenken. Wenn wir uns darüber Sorgen machen mit unserem komplizierten Leben zu Jesus zu kommen, während wir versucht haben herauszufinden wie wir so tun können als wären wir jemand anders, hat Jesus bereits auf uns gewartet, weil er uns einfach „liebt“ und möchte, dass wir so zu ihm kommen „wie wir sind, sündig, hilflos, abhängig.“

Du kannst Gott nicht davon überzeugen dich mehr anzunehmen, wenn du nur so tust als wärst du jemand anders. Er weiß was er erkauft hat, und er möchte was er erkauft hat. Er kann einen Unterschied in dem Leben derer machen, die er erkauft hat. Komm jetzt zu Jesus. Warum etwas vorgeben?

Adam Hazel ist der Leiter der Matteson Missionsschule.